Herr Hungerbühler*, im Herbst 2010 wurde die Höhere Fachprüfung zum/zur HR-Leiter/in zum zweiten Mal nach neuem Konzept durchgeführt. Wie sind Ihre Erfahrungen?
HR-Leiter/innen sind unternehmerisch denkende Führungskräfte. Sie unterstützen und beraten als Partner bzw. Coaches die Linienchefs in allen HR-Fragen. Und mit der Neugestaltung der Prüfung werden sie auch auf diese Funktionen hin geprüft: Diese verbindet operative, konzeptionelle und strategische Fragen zu einem Ganzen - wie das auch in der täglichen Arbeit eines Personalchefs, einer Personalchefin sehr oft der Fall ist. Die Erfahrungen zeigen, dass sich die Neuerungen wie z.B. die integrale Fallstudie bewähren.
Welche Inhalte stehen im Zentrum der Höheren Fachprüfung?
Stärker als früher werden Methoden- und Verhaltenskompetenzen geprüft und in zwei mündlichen Prüfungen - "Einzelpräsentation mit Fachgespräch" und "Gruppengespräche" - unter die Lupe genommen. Das ist zwar für die Durchführung der Prüfungen sehr aufwändig, aber es bewährt sich: Personalchefs auf dieser Stufe benötigen im heutigen schwierigen Umfeld stark ausgeprägte Sozialkompetenzen.
Fachkompetenzen haben Sie nicht erwähnt. Sind diese denn im heutigen HR nicht mehr gleich wichtig wie früher?
Natürlich bilden sehr gute Fachkenntnisse die Basis einer erfolgreichen Tätigkeit als HR-Führungskraft. Doch Spezialwissen kann heute relativ einfach von externen Fachleuten vermittelt werden. Für eine nachhaltige Personalarbeit im Betrieb selbst ist die Sozialkompetenz im heutigen wirtschaftlichen Umfeld mindestens so entscheidend wie das rein Fachliche. Ständiger Wandel und Internationalisierung prägen die heutige Wirtschaftswelt. Hier müssen HR-Führungskräfte in der Lage sein, einen bedeutenden Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten.
Wer sind die Fachleute, die heute die HR-Leiter/innen-Prüfung absolvieren?
Voraussetzung für die Prüfungszulassung ist eine langjährige qualifizierte HR-Praxis, konkret: mindestens 4 Jahre Erfahrung in einer umfassenden HR-Generalistenfunktion in einem mittleren Unternehmen oder eine komplexe Teilbereichsverantwortung in einem grösseren Unternehmen.
Die Konkurrenz auf dem HR-Weiterbildungsmarkt ist gross. So existieren diverse HR-Nachdiplomstudien von Höheren Fachschulen oder im Hochschulbereich. Was spricht dafür, eidg. dipl. HR-Leiter/in zu werden?
Die Stärke der eidgenössischen Diplom-Prüfung ist ganz klar die Praxisnähe. Sie wird durch die Form der Prüfung genauso gewährleistet wie durch die eingesetzten Expert/innen: Diese verfügen alle über einen mehrjährigen, breiten HR-Hintergrund in einer leitenden Funktion und sind damit in der Lage, die Antworten der Kandidat/innen auf komplexe Fragestellungen differenziert zu beurteilen. Ausserdem steht die Wirtschaft direkt hinter den Prüfungen: Ihre Verbände definieren über die Trägerschaft die erforderlichen Berufskompetenzen: Wer unsere Prüfung absolviert, ist am Puls der Zeit. Das schafft Anerkennung auf dem Arbeitsmarkt.
Dennoch weist die HR-Leiter-Prüfung im Vergleich mit anderen Höheren Fachprüfungen bislang vergleichsweise wenige Absolvent/innen auf. Warum ist das so?
Zum einen ist vielleicht die Karriereorientierung im stark weiblich geprägten HR-Bereich (rund 85% aller HR-Fachausweise gehen an Frauen) nach wie vor weniger ausgeprägt als in anderen kaufmännischen Tätigkeitsfeldern. Ausserdem müssen wir eine der zentralen Stärken unserer Prüfung sicher noch besser kommunizieren: Qualitätssicherung inklusive! Anders als in Schulen prüfen hier unabhängige Expert/innen, welchen die Kandidat/innen zuvor noch nicht begegnet sind - eine Beeinflussung z.B. zugunsten hoher Absolventenquoten ist ausgeschlossen: Geprüft wird, was jemand in der Praxis erlernt und sich angeeignet hat.
Wie schätzen Sie denn die Zukunft dieser Prüfung ein?
Eine breit angelegte Umfrage unter Inhaber/innen des Fachausweises zeigt, dass die Höhere Fachprüfung für sie die bevorzugte Weiterbildungsperspektive darstellt - mit oder ohne Besuch eines Vorbereitungskurses.
In der Trägerschaft der HR-Prüfungen haben wir aber auch erkannt, dass wir zur besseren Positionierung des Diplom-Abschlusses im Markt noch näher an die Bedürfnisse der Kund/innen gelangen müssen. Damit sind nicht Inhalte, Praxisnähe und unmittelbarer Nutzen gemeint: Diese sind gegeben. Kundennahe Verbesserungen sind etwa die Senkung der Prüfungsgebühren und die jährliche Durchführung einer Repetitionsprüfung für alle, denen der Erfolg im ersten Anlauf verwehrt blieb. Ausserdem ist ein Wechsel vom Zweijahresrhythmus zur jährlichen Durchführung dieser anspruchsvollen, aber anerkannten Höheren Fachprüfung auf gutem Weg.